Kinder-Raglankleid nähen: Ein Erfahrungsbericht

Das Skater-Kleid habe ich nun so gut wie perfektioniert. Oder, ehrlicher: Ich habe es dreimal auf Einforderung der erstgeborenen Enkeltochter genäht, jetzt mag ich nicht mehr. Immerhin hat sie mir farbliche Abwechslung bei der Stoffauswahl gegönnt. Von Blass- über Schweinchenrosa bis hin zu kräftigem Pink war wirklich alles dabei. Rosa Skaterkleider in Größe 116 haben wir also genug, daher versuche ich mich jetzt an einem Kinder-Raglankleid in Größe 98 für die zweitgeborene Enkeltochter. Fast ohne Rosa.

„Was soll denn bitte Raglan sein?“, fragt mich meine Tochter, als ich ihr von meinem neuen Nähvorhaben erzähle. Und fügt hinzu: „Mach es bloß nicht rosa.“ Für alle, denen im Kopf beim Wort Raglan auch ein großes Fragezeichen wächst, eine kurze Erklärung: Das ist eine bestimmte Schnittform der Ärmel, bei der selbige in die Schulterpartie eingeschlossen werden. „Die Nähte verlaufen schräg in die Kragennaht bis zum Halsansatz“, sagt Wikipedia dazu. Benannt wurde diese Schnittform nach Lord Raglan, der in der Schlacht von Waterloo einen Arm verloren hat. Daraufhin trug Herr Raglan bei einem weiteren Feldzug einen Mantel mit Raglanärmeln – dies erleichterte ihm das selbstständige An- und Ausziehen des Mantels. Scheint also der optimale Schnitt für eine Zweijährige zu sein, deren liebste Phrase „Selber machen!“ ist.

Kinder-Raglankleid: Rosa oder Erdbeer-Purpur?

Den Schnitt habe ich aus dem lillestoff-Buch „Meine Lieblingskleider. Selbstgenähtes für Jungs & Mädels“. Wie immer pause ich ihn ab (und wie immer finde ich diesen Prozess furchtbar mühsam), und freue mich dann auf’s Aussuchen des Stoffes. Kein Rosa ist die Vorgabe, den pink geblümten Kakteen kann ich trotzdem nicht widerstehen. Für Bündchen und Kragen wähle ich eine dazu eine passende Farbe – man könnte sie ja auch als leuchtendes, erdbeeriges Purpur bezeichnen. Ich schneide die Stoffe zu und beginne mit dem Nähen – in der Hoffnung, dass diesmal alles glatt laufen möge.

Ein ungebetener Gast.

Und das tut es! So sehr ich auch sonst die Gesellschaft meines Katers genieße, auf der Nähmaschine habe ich ihn nicht gerne sitzen. Anscheinend hat er das mittlerweile verstanden. Dafür schickt er mir einen anderen Besucher: Das Krabbeltier, das meine Nähmaschine erkundet, halte ich zuerst für einen Käfer – schnell stellt sich heraus, dass mein Gast eine Zecke ist, die mir wohl der Kater hinterlassen hat. Das Tierchen wird schnell beseitigt, dann geht es weiter. Und ich bin so im Näh-Flow, dass mir diesmal sogar erstmals der Halsausschnitt richtig gut gelingt. Ich freue mich über das fertige Werk. Dann kontrolliere ich den Kater auf Zecken. Und das Kleid auch.

Und was sagt die Enkeltochter? Zuerst: „Wow, Omi. Schön, Omi.“ Dann: „Anziehen! Selber!“ Das gelingt ihr sogar recht gut. Der Drehtest ist schnell gemacht, fällt aber nach Ansicht der Zweijährigen enttäuschend aus, woraufhin das Kinder-Raglankleid wieder ausgezogen werden soll – „selber“. Auch das klappt nach einigem Gezerre. Da hatte der Herr Raglan schon eine gute Idee, mit diesen Ärmeln. Auch wenn ich bezweifle, dass sein Kragen so hübsch erdbeer-farben war.

Falls ihr übrigens Tipps für das Nähen von Halsausschnitten habt oder selbst von eurem neuesten Nähprojekt erzählen wollt, hinterlasst uns gern ein Kommentar!

Ihr möchtet weiterlesen? Hier findet ihr ein tolles, einfaches Nähprojekt für Anfänger. Und bald findet ihr hier auch unser Sammelsurium an Skaterkleidern und viele weitere Nähprojekte 🙂

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