Hühner-Grundausstattung: Unser glückliches Geflügel

Als es uns vor ein paar Jahren auf’s Land verschlagen hat, haben wir uns bald die ersten unserer Haus- und Nutztier-Wünsche erfüllt. Hühner standen neben Hund und Katz‘ ganz oben auf der Liste. Glückliche Hühner sollten es sein, deshalb haben wir nicht nur für einen Hahn, sondern auch ein artgerechtes Hühnerhaus und genügend Auslauf gesorgt. Was bei einer Hühner-Grundausstattung nicht fehlen darf, lest ihr hier. 

Starten wir mit einer Anekdote von meinem ersten Tiermarkt-Besuch, gemeinsam mit Mann, Tochter und Schwiegersohn. Der Tiermarkt ist offenbar der place-to-be an einem Wochenend-Morgen in den weniger besiedelten Weiten Niederösterreichs, denn es ist die Hölle los. Menschenmassen zwischen Schafen, Ziegen, Hühnern, Hasen – begleitet von einer ohrenbetäubenden Geräuschkulisse aus Blöken, Meckern, Gackern – untermalt von Gerüchen, wie man sie abgeschwächt vom Urlaub am Bauernhof kennt. Schnell entscheiden wir uns für unsere ersten Hühner, stellen die obligatorische Frage nach der Legeleistung (schließlich will man sich ja anpassen), geben uns mit der Antwort zufrieden, und sehen dann mit offenen Mündern zu, wie die geflügelten Tierchen kopfüber durch ein kleines Loch in einen Karton gequetscht werden. Noch regnet es ausgerupfte Federn auf unsere Köpfe, da fragt meine Tochter leise: „Ist das normal so?“ Wir wissen es nicht genau, reden aber sicherheitshalber am Weg zum Auto beruhigend auf Hühner und Hahn ein. Zuhause angekommen wollen wir unsere neuen Mitbewohner erst recht besonders glücklich machen. Los geht’s also mit der Hühner-Grundausstattung:

Auslauf und Zaun.

Glückliche Hühner und gedeihliche Beete: Das ist ein Balance-Akt, wie wir schnell feststellen. Denn wie es scheint, sind die Hühner am zufriedensten, wenn sie in Blumen-, Gemüse- und sogar Hochbeeten scharren und sich mit unserem Gemüse die Bäuche vollschlagen. Wer das nicht will, dem empfehlen wir die Anschaffung eines Zauns. Wir hatten dann auch relativ schnell einen. Zuerst einen mobilen (den kann man jederzeit umstellen und den Hühnern immer wieder frische Wiese bieten, sofern der Garten groß genug ist), dann einen aus Kunststoffgewebe, und heute einen Staketenzaun. Innerhalb des eingezäunten Gebiets haben die sieben Hühner und der Hahn 1500 Quadratmeter Auslauf-Grünfläche – also genug Platz, um glücklich zu sein. Auf der Wiese finden sie fast das ganze Jahr über so einiges zum Picken, Scharren und Graben. Was sie nicht daran hindert, hin und wieder auszubrechen, um neue Welten zu erkunden. Es sei ihnen vergönnt.

Das Hühnerhaus.

So ein Huhn ist nicht recht anspruchsvoll, mit dem Zaun allein ist es aber noch nicht getan. Natürlich gehört auch ein Haus zur Hühner-Grundausstattung. Ein solches gibt es – wie den Zaun – als fixe oder mobile Variante. Es dient nachts als Schlaf-, tagsüber als Ruhe- und Nistplatz, und ist gleichzeitig ein Schutz vor Mardern und Füchsen. Unser Hühnerhaus hat mein Mann, seines Zeichens Baumeister, selbst entworfen – für Interessierte stellen wir hier gern den Plan zur Verfügung: Plan – Hühnerstall (2019-04-18). Hühner und Hahn haben eine Wohnfläche von 2,5 Quadratmetern. Das Häuschen ist 1,90 Meter hoch und besteht aus 3-Schicht-Lärchenplatten (am Dach haben wir zusätzlich Dachpappe verwendet). Die 20 Teile, aus denen es sich zusammensetzt, haben wir uns beim Zimmerer anfertigen lassen und den Stall dann selbst zusammengebaut.

Die Hälfte des Hühnerstalls ist ein „Wintergarten“, in dem die Hühner im Sommer auch schlafen. Die andere Hälfte ist geschlossen, mit öffenbaren Türen, zwei Fenstern zum Lüften und einer Hühnerleiter.

Sitzstangen und Nester.

Die Innenraum-Gestaltung kann man simpel halten: Zum Nächtigen und Ruhen brauchen die Hühner Sitzstangen, zum Ablegen der Eier Nester mit genügend Stroh. Letzteres legen wir anstelle von Einstreu auch am Boden dicht aus. Die Anzahl der Nester hängt von der Anzahl der Hühner ab. Richtwert: Auf vier Hühner sollte zumindest ein Nest kommen. Wir haben sechs Nester für sieben bis zehn Hühner. Da unsere Hühner offenbar kreative Freigeister sind, tauchen die Eier trotzdem an den unmöglichsten Stellen auf: Hinter Astgestrüpp, unter dem Hühnerstall, mitten auf der Wiese, im Reserve-Stroh-Sack. Während andere Kinder also nur zu Ostern Eier suchen, machen das meine Enkel das ganze Jahr über.

Die Fütterung.

Jetzt haben wir dafür gesorgt, dass unsere Hühner Auslauf, einen Unterschlupf und Platz zum Nisten und Schlafen haben – fehlt noch das leibliche Wohl zum perfekten Hühnerglück. Auch hier sind die Hühner recht anspruchslos. Sie freuen sich über Weizen- und Maiskörner, aber genauso über die Reste unseres Abendessens, Brot und Eierschalen. Das Getreide streuen wir ihnen einfach in die Wiese, es gibt aber auch Futterautomaten. Zum Trinken bekommen Sie – wer hätte das gedacht – Wasser, und zwar täglich frisch. Extra-Tipp: Im Winter darauf achten, dass das Wasser nicht gefriert. Ein Huhn, das wenig trinkt, legt auch wenig bis keine Eier.

Apropos Eierlegen: Unsere jungen Sperber-, Sussex- und Braun-Tetra-Legehennen legen etwa jeden Tag ein Ei, nach zwei Jahren nimmt die Legeleistung (ja, mittlerweile fühlt es sich normal an, das zu sagen) aber rapide ab. Über die Eier der Grünleger- und Sulmtaler-Hennen kann man sich zwar nicht so oft, dafür aber länger freuen: Denn die legen ihr Leben lang ein bis zwei Eier pro Woche.

Habt ihr Fragen zur Hühner-Grundausstattung? Was sollte eurer Meinung nach in keinem Hühnerstall fehlen? Schreibt uns gern einen Kommentar 🙂

 

9 comments Add yours
  1. Hi, die Beschreibung von eurem Hühnerreich ist echt super! Leider hab ich nicht so viel Platz anzubieten, wieviel Auslauf brauch ich denn ca pro Huhn damit sie glücklich sind?
    Danke
    Liebe Grüße

    1. Hi Katrin, das kommt auf die Größe vom Huhn an – aber als Faustregel kann man sagen: Wenn jede Henne 10 Quadratmeter begrünten Auslauf zur Verfügung hat, macht sie das schon recht glücklich 🙂

  2. Liebe Hühnerfreunde,
    ich hab wieder einen Buchtipp für Euch! Melissa Caughey: how to speak chicken – warum Ihre Hühner tun, was sie tun, und sagen, was sie sagen.
    Ein großartiges Buch über Hühner, ihre Sprache, ihre Fähigkeiten, ihre Beziehungen untereinander und zu uns „Hühnereltern“, aufschlussreich, fundiert, witzig und anrührend.
    Dass Hühner klug und ausgeprägte Charaktere sind, ist uns nicht entgangen, aber nach der Lektüre sieht man „das Huhn“ mit völlig anderen Augen, versprochen!
    Viel Spaß beim Lesen!

    1. Liebe Barbara, das klingt ja spannend – vielen Dank für den Tipp! Schadet sicher nicht, die geflügelten Mitbewohner etwas besser zu verstehen 😉

  3. Hallo,
    wir sind auch auf den Geschmack gekommen und möchten uns Hühner zulegen. Leider scheint der Link zum Bauplan für den Hühnerstall nicht zu funktionieren. Könnt Ihr das mal überprüfe?
    Vielen Dank und Gruss
    Rainer Fischer

    1. Lieber Rainer,
      vielen Dank für den Hinweis! Wir haben den Link zum PDF aktualisiert, er sollte jetzt wieder funktionieren.
      Liebe Grüße, und viel Freude mit den neuen Hühnern!

  4. Gesucht wurde ein „Hühnerstall“. Und gefunden wurde eine wunderbare Seite mit Tipps für Garten, Tricks für Selbstgemachtes und vieles mehr. Schön. Es hat mich sehr gefreut.

    PS: Den Plan werde ich ausdrucken. Ansehen. Und gemeinsam mit einem Bild (vom fertigen Hühnerhaus) an den Tischler meines Vertrauens weiterreichen.

    Danke. Und sonnige Grüße aus Kärnten –
    Franz

    1. Lieber Franz,
      wie schön, dass du uns gefunden hast! Lass uns gern wissen, wie dein Hühnerstall geworden ist – und ob sich deine Hühner darin auch so wohl fühlen, wie unsere 🙂
      Alles Liebe,
      die Torftrottel

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